Pressemitteilung
Multiresistente Keime bei Kaufland-Billigfleisch: Deutsche Umwelthilfe fordert von neuer Bundesregierung schnelles Eingreifen gegen Preisdumping durch Supermärkte
Berlin, 3.4.2025: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schlägt Alarm: Jede dritte Hähnchenfleischprobe aus dem Billigsegment von Kaufland ist mit Erregern belastet, die gegen die für Menschen wichtigsten Reserveantibiotika resistent sind. Das ergaben Labortests an 30 Proben aus der Haltungsform 2, die im Auftrag von RTL durchgeführt wurden.
Die DUH sieht im zunehmenden Preisdruck von Supermarktkonzernen in der Lebensmittelkette eine Mitverantwortung: Lieferanten würden mit dem massiven Einsatz von Reserveantibiotika versuchen, Hähnchenfleisch in Massen zu Niedrigstpreisen zu produzieren. Doch je mehr Antibiotika bei Tieren eingesetzt werden, desto mehr resistente Krankheitserreger entstehen und verbreiten sich über das kontaminierte Fleisch bis in die Küchen von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Umweltorganisation fordert daher von der neuen Bundesregierung, den Preisdruck in der Lebensmittelkette zu stoppen und den Schutz von Menschen und Tieren zu priorisieren.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Wir zahlen für Billigfleisch mit unserer Gesundheit und extremem Tierleid. Mitverantwortlich sind diejenigen, die in der Branche das Sagen haben: Nur vier Discounter und Supermärkte kontrollieren über 85 Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Diese können ihre Lieferanten preislich so unter Druck setzen, dass diese in großem Stil zu Reserveantibiotika greifen, weil Antibiotikamissbrauch im Stall billiger ist als gesunde tiergerechtere Haltung. Wir fordern Kaufland auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und Billig-Hähnchen auszulisten. Dazu gehört, dass die Supermarktkette auf die höchsten Tierhaltungsstufen wie Biofleisch umstellt. Es ist zwingend notwendig, dass Lebensmittelmärkte langfristig kostendeckende Preise zahlen, damit Tierwohlställe überhaupt gebaut werden. Die neue Bundesregierung muss den Preisdruck in der Lebensmittelkette stoppen und für Gesundheit und Tierwohl konsequent Priorität einräumen gegenüber den Profitinteressen der Supermärkte.“
Zudem weist in den Labortests jede zweite Probe Campylobacter-Keime auf, die gesundheitsgefährdend sein können. Pro Jahr erkranken in Deutschland mehr als 50.000 Menschen an meldepflichtigen Infektionen durch Campylobacter. Auch hier sieht die DUH dringenden politischen Handlungsbedarf. Denn auch wenn die Belastungen in Schlachthöfen nachgewiesenermaßen gegen geltende Hygienebestimmungen bei Ekelkeimen verstoßen, gibt es bisher keine Verkaufsverbote oder Sanktionen. Zudem gelten die EU-Grenzwerte aktuell nur für staatliche Proben an Schlachthöfen, nicht aber im Supermarkt als letzter Station vor Zubereitung und Verzehr.
Reinhild Benning, DUH-Expertin für Landnutzung und Agrarökologie: „Fleisch mit Antibiotikaresistenzen und Ekelkeimen ist eine echte Gesundheitsgefahr. Wir raten Verbraucherinnen und Verbrauchern, Fleisch aus Billig-Erzeugung zu vermeiden. Das Problem muss jedoch auf politischer Ebene angegangen werden: Andere EU-Staaten greifen längst strenger durch gegen die Missstände, die durch die Marktmacht von Handel und Industrie ausgelöst werden. In Spanien, Frankreich, Italien und Belgien gibt es bereits Regeln gegen Preisdrückerei in der Lebensmittelkette, die teils aktuell für die ganze EU diskutiert werden und von der neuen Bundesregierung verbessert und zügig umgesetzt werden müssen.“
Kontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
Reinhild Benning, Senior Expert Landwirtschaft und Agrarökologie
0151 17918487, benning@duh.de
DUH Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de