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Pressemitteilung

Gekommen, um zu bleiben? Schutzprojekt soll Fischottern in Berlin dauerhaft Lebensraum sichern

Freitag, 04.04.2025
© Fotolia, Aggi Schmid

Berlin, 4.4.2025: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) gehen in Sachen Otterschutz einen Schritt weiter. Das Förderprojekt „Wohnrauminitiative für den Fischotter“ hat in den letzten anderthalb Jahren wertvolle Erkenntnisse zum Schutz der Art geliefert. Jetzt startet das Nachfolgeprojekt „Otterstadt Berlin“. Beide Projekte werden von der DUH mit Unterstützung der Stadtnatur-Ranger der SNB durchgeführt und aus Mitteln der Jagdabgabe gefördert.

Marco Philippi von der DUH leitet beide Projekte und weiß: „Der Fischotter steht beispielhaft für den Zustand unserer Flüsse, denn er braucht sauberes Wasser, grüne Ufer und ungestörte Bereiche. Wenn wir ihn schützen, profitieren also auch wir Menschen und zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Im Projekt möchten wir zeigen, dass Naturschutz am Fluss auch in der Großstadt möglich ist.“

Projekt 1 – Wohnrauminitiative für den Fischotter

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Projekt: die Art ist zurück in Berlin. An mindestens acht Orten haben DUH und SNB-Ranger-Teams sein Vorkommen in der Hauptstadt gesichert nachgewiesen. Deutschlandweit gilt der Fischotter als gefährdet und steht unter strengstem Schutz. Lange galt die Art für Berlin bereits als ausgestorben.

Zweites zentrales Ergebnis: intensive Störungen bedrohen das Tier in seinem zurückeroberten Lebensraum. Tausende Menschen, dichter Verkehr, Schleusen und innerstädtische, kanalisierte Abschnitte der Spree sind Hindernisse und eine Gefahr für Fischotter. Weil Flüsse in Ballungsgebieten oft stark verändert und verbaut sind, bilden Städte eine kritische Barriere für Tiere, die an und in Flüssen leben.

Projekt 2 – Otterstadt Berlin

Das Folgeprojekt „Otterstadt Berlin“ knüpft an diese zentralen Erkenntnisse an und entwickelt wichtige Maßnahmen zum Schutz der Art hinsichtlich ihrer Verbreitung, Populationsgröße und potentieller Gefahrenstellen.

In einer geplanten Gefährdungsanalyse sollen Gefahren im aktuellen Verbreitungsgebiet identifiziert und bewertet werden, auf deren Grundlage Empfehlungen an die Naturschutzbehörden gegeben werden können. Die im Vorgängerprojekt mit den Stadtnatur-Rangern durchgeführte Uferkartierung hat gezeigt, dass auch lange Flussabschnitte, die durch Spundwände gesichert sind, den Fischotter vor Herausforderungen stellen. Insbesondere an kleineren Fließgewässern konnten Gefahrenstellen an einer Vielzahl von Brücken identifiziert werden, an denen die Wege für Otter mit der Installation von sogenannten Bermen erleichtert werden sollen.

Das Projekt zielt insbesondere darauf ab, behördliche Akteure für den Schutz des Fischotters zu sensibilisieren und zur selbstständigen Umsetzung notwendiger Maßnahmen zu befähigen.Zur Aufwertung der Otter-Lebensräume ist es als Teil des Projektes besonders wichtig, Uferstrukturen und ungestörte Rückzugsräume zu schaffen. Diese erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere sich weiter vermehren. Das DUH-Team untersucht dabei, ob Strukturen zur ökologischen Aufwertung kanalisierter Flussabschnitte wie künstliche Schwimminseln oder so genannte „Vertical Wetlands“ – bepflanzte Kästen an Spundwänden - von Fischottern genutzt werden.

Damit die Fischotter Berliner Gewässer sicher durchwandern und Reviere ausmachen können, ist geplant, Umgehungsmöglichkeiten, Habitatstrukturen und Trittsteinbiotope für sie zu schaffen. Hierfür werden auch Freiwillige und Stadtnatur-Ranger an Aktionstagen im Einsatz sein.

Geplant sind zudem die Durchführung von Fischotter-Seminaren. Diese hat die DUH im ersten Projekt bereits für die Stadtnatur-Ranger und ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer angeboten. Nun sollen weitere Zielgruppen hinzukommen, wie Mitarbeitende von Planungsbüros und Jägerinnen und Jäger, um sicherzustellen, dass Totfunde erfasst und die Kadaver zur weiteren Untersuchung an die entsprechende Institution ((Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierfoschung, IZW) weitergeleitet werden.

Auch der fachliche Austausch soll im Folgeprojekt fortgeführt werden: Mit Vertreterinnen und Vertreter aus Naturschutz, Gewässerunterhaltung, Wasserbau und Wissenschaft fand im Vorgängerprojekt eine erste Fachtagung zum Fischotter in Berlin statt. Dort konnte ein interdisziplinärer Austausch über die Belange des Fischotters und den Schutz sowie die Nutzung der Gewässer in Berlin angestoßen werden.

Kontakt

Svenja Pelzel, Pressesprecherin Stiftung Naturschutz Berlin
030 26394188, presse@stiftung-naturschutz.de

DUH Newsroom

030 2400867-20, presse@duh.de 

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